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Baptisten

Baptisten und Mennoniten sind von ihrer Geschichte, ihrem Glauben und organisatorischen Aufbau her eng miteinander verwandt. Beide führen ihre Anfänge auf die Täuferbewegung in den Niederlanden zurück. Verfolgte holländische Täufer flüchteten zuerst nach England und machten ihren Einfluss in der Reformbewegung unter den englischen Puritanern und Separatisten geltend. Der >Märtyrerspiegel liefert Beispiele dafür.
Als dann die englischen Separatisten verfolgt wurden, flohen diese in die toleranten Niederlande. Von den >Täufern in Holland übernahmen die englischen Separatisten die Glaubenstaufe und den Namen Täufer, in Englisch “Baptists”, zu Deutsch Baptisten. Das täuferische (mennonitische) Glaubensbekenntnis sowie das Konzept der Gemeinde übernahmen die englischen Separatisten, als sie >Täufer (Baptists) wurden, weitgehend von den holländischen Täufern. Dabei spielte auch das Fundamentbuch von >Menno Simons eine entscheidende Rolle. Andererseits übernahmen sie von den Calvinisten die Lehre der Prädestination und die Beteiligung an der >Politik und am Krieg, Faktoren, die dann zur Trennung der holländischen und englischen Täufer (Baptisten) im 17. Jahrhundert führten.
In Russland hatten die Baptisten einen starken Einfluss auf die dort entstehende Mennoniten Brüdergemeinde: in der Einführung der Untertauchungstaufe, der Gemeindeorganisation, Gottesdienstordnung, Sonntagsschule und im missionarischen Einsatz. Andererseits war es die Brüdergemeinde, unter deren Einfluss und Leitung die ersten Baptistengemeinden in der Ukraine unter Ukrainern bzw. Russen entstanden. Bis heute sind die Baptistengemeinden in Russland stark von mennonitischem Einfluss geprägt. Es war ein gegenseitiger positiver Einfluss.
Auch in Paraguay herrscht ein befruchtender gegenseitiger Einfluss zwischen Baptisten und Mennoniten. Prediger aus >Fernheim, die die russische Sprache beherrschten, dienten in den 1930er Jahren den slawischen bzw. ukrainischen Baptisten in der Kolonie Fram im Süden Ostparaguays. Eine Anzahl junger Mennoniten aus Paraguay machte ihr Theologiestudium im Baptistenseminar in Buenos Aires. Die Missionsarbeit der Mennoniten in >Asunción fing in engem Kontakt mit den Baptisten an. Das erste Lehrprogramm des >Instituto Bíblico Asunción und die Textbücher kamen weitgehend von den Baptisten, weil mennonitisches Material in spanischer Sprache nicht vorlag. In den mennonitischen Missionsschulen wie >Colegio Alberto Schweitzer und >Colegio Politécnico Johannes Gutenberg arbeiteten eine Anzahl baptistischer Lehrer/innen.
Recht viele mennonitische Krankenschwestern haben ihre Ausbildung in der baptistischen Schwesternschule des Hospital Bautista (>Centro Médico Bautista) erhalten. Die >Universidad Evangélica del Paraguay entstand auf Grund einer engen Zusammenarbeit zwischen Baptisten und Mennoniten.
In der Missionsarbeit unter den Brasilianern in Ostparaguay helfen baptistische Pastoren in der Gründung mennonitischer Gemeinden (>Brasiguayos).
Gerhard Ratzlaff
Baptist – Mennonite Theological Conversation. (1989-1992). Final Report. Mennonite World Conference and Baptist World Alliance; Ross T. Bender y Alan P. F. Sell (Hg.): James R. Coggins. John Smith’s Congregation: English Separatism, Mennonite Influence and the Elect Nation. Scottdale, Pennsylvania: Herald Press, 1991; P. M. Friesen: Die Alt-Evangelische Mennonitische Brüderschaft in Russland (1789-1910) im Rahmen der mennonitischen Gesamtgeschichte. Halbstadt/Taurien: Raduga Verlag, 1911. Neu herausgegeben vom Verein zur Erforschung und Pflege des Kulturerbes des russlanddeutschen Mennonitentums. Duderstadt 1991; Irvin B. Horst: The Radical Brethren: Anabaptism and the English Reformation to 1558. The Hague: Nieukoop, B. de Graaf, 1972; C. Norman Kraus: ”Anabaptist Influence and English Separatism as Seen in Robert Browne”. Mennonite Quarterly Review, XXXIV, 1960, 5-19; Heinrich Löwen: In Vergessenheit geratene Beziehungen: Frühe Begegnungen der Mennoniten Brüdergemeinde mit dem Baptismus in Russland – ein Überblick. Bielefeld: Logos Verlag, 1989; Glen H. Stassen: ”Anabaptist Influence in the Origin of the Particular Baptists”, Mennonite Quarterly Review, XXXVI, 1962; Paul Toews: Mennonites and Baptists: A Continuing Conversation. Winnipeg: Kindred Press, 1993; Albert J. Wardin: ”Baptist Influence on Mennonite Brethren with an Emphasis on the Practice of Immersion”. Direction, VIII, October 1979, No. 4, 33-38; Gerhard Ratzlaff: Historia, Fe y Prácticas Menonitas: Un Enfoque Paraguayo. Instituto Bíblico Asunción, Asunción, 2006.

   
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