Lexikon der Mennoniten in Paraguay - Boquerón
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Boquerón

Boquerón ist der Name eines der wichtigsten >Fortins (militärischer Stützpunkt) während des >Chakokrieges. Es lag südlich der mennonitischen Siedlung >Menno. Der Sieg der paraguayischen Truppen in der Schlacht von Boquerón am 29. September 1932 war der erste entscheidende Meilenstein für das paraguayische Heer im >Chacokrieg 1932-1935. Schon im Juni 1928 wurden als Reaktion auf den Vormarsch bolivianischer Truppeneinheiten südlich und westlich der eben gegründeten >Kolonie Menno die Fortins Boquerón und Toledo errichtet. Am 27. und 28. Juli 1932 wurden die paraguayischen Stützpunkte Corrales und Toledo von bolivianischen Einheiten besetzt, und drei Tage später fiel auch Boquerón in die Hände der Bolivianer. Der Vormarsch der Bolivianer ging in Richtung des Río Paraguay.
Die Strategie des Kommandanten der paraguayischen Streitkräfte, José Felix >Estigarribia, war, die Bolivianer so weit wie möglich vom Fluss entfernt in ihrem Vormarsch zu stoppen. Der strategisch wichtige Punkt Boquerón musste unbedingt zurückerobert werden. Estigarribia verlegte sein Hauptquartier nach >Isla Poí, zu jener Zeit “Villa Militar” genannt, rund 35 km nordöstlich von Boquerón, da er überzeugt war, dass die bolivianischen Einheiten von Boquerón aus versuchen würden, Villa Militar anzugreifen.
Da der Krieg noch nicht offiziell erklärt war, musste jede Entscheidung auf dem Kriegsschauplatz vom Präsidenten Eusebio >Ayala genehmigt werden. Am 1. September 1932 erhielt Estigarribia grünes Licht vom Präsidenten, den befestigten Stützpunkt Boquerón zurückzuerobern. Am 7. September 1932 begann Estigarribia den Marsch von Isla Poí in Richtung Boquerón. Am 8. stießen sie auf Spähtruppen der Bolivianer. - Am selben Tag weihten die Mennos ihre erste >Kirche in Osterwick ein, während sie aus der Ferne den Kanonendonner hörten. - Ab dem 9. September versuchten die paraguayischen Einheiten, den strategisch wichtigen Ort Boquerón in einem blutigen Ringen zu stürmen. Der bolivianische Kommandant Coronel (Oberstleutnant) Manuel Marzana verteidigte verbissen diesen Stützpunkt. Die paraguayischen Einheiten unter der Leitung des Oberstleutnants José Felix >Estigarribia versuchten unter großen Verlusten während 21 Tagen die Verteidigungsringe um Boquerón zu sprengen. Am 29. September 1932 fiel endlich der Vorhang über diesem blutigen Ringen in der unendlichen Weite der Chacowildnis. Außer den Waffen war es das Element Wasser, das die Schlacht um Boquerón entschied.
Der Sieg Paraguays in dieser Schlacht, der insgesamt 4.000 jungen Soldaten auf beiden Seiten das Leben kostete, gab den paraguayischen Streitkräften einen ungeheuren moralischen Auftrieb, obwohl sie nahezu 2.000 Tote zu beklagen hatten.
Der Sieg von Boquerón, der immerhin dazu beitrug, dass die eben gegründeten >Mennonitenkolonien nicht evakuiert werden mussten, war entscheidend für den weiteren Verlauf dieses unseligen Krieges zwischen Paraguay und Bolivien, der dann endlich am 12. Juni 1935 in den Ausläufern der Anden endete.
Walter Thielmann
David H. Zook: La conducción de la guerra del Chaco. Buenos Aires: Círculo Militar, 1962. Traducción castellana del prof. Pablo Max Insfrán.

   
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