Lexikon der Mennoniten in Paraguay - Centro Evangélico Mennonita de Teología Asunción
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Centro Evangélico Mennonita de Teología Asunción

Das CEMTA ist das theologische Seminar der Konferenz der deutschsprachigen >Mennonitengemeinden Südamerikas. Es ist ein internationales Ausbildungszentrum, das seit 1977 in Paraguay akademische Ausbildungsgänge und Weiterbildungsveranstaltugen für Gemeinde, Diakonie, Mission und Schulen in den Fachbereichen Theologie und Musik anbietet. CEMTA steht in der Tradition der historischen Friedenskirchen.
Die Geschichte des CEMTA begann mit dem >Seminario Evangélico Mennonita de Teología in Montevideo. Das SEMT wurde 1956 unter der Leitung von Nelson >Litwiller, Missionar der Old Mennonites, in Montevideo, Uruguay, gegründet. Man entschied sich für Montevideo, weil Uruguay das Zentrum des Cono Sur und Montevideo eine Hauptstadt mit einem hohen kulturellen Niveau war. Das SEMT begann in Zusammenarbeit der Mennonitengemeinden in Nordamerika, Argentinien, Paraguay, Uruguay und Brasilien. Nelson Litwiller, mit starker Unterstützung der mennonitischen Missionsbehörde Nordamerikas, hatte die Vision, all diese Gemeinden, die von verschiedenen kulturellen Hintergründen geprägt waren, in einem Werk zu vereinigen, um die Gemeinden und die Missionsarbeit in Lateinamerika zu stärken.
Von Anfang an strebte das SEMT ein hohes akademisches Niveau an, vereint mit einer starken Betonung der praktischen Gemeindearbeit. Außerdem charakterisierte das SEMT eine starke Betonung der christlichen Erziehung und der Musik.
Im Jahre 1974 wurde das SEMT in Montevideo geschlossen. Dafür gab es verschiedene Gründe: Mit dem Abschied von Litwiller schien die ursprüngliche Vision der Institution an Kraft zu verlieren. Manche sahen einen ökumenischen Einfluss und zu liberale Einstellungen mancher Lehrer. Dies verursachte besonders in den Gemeinden Paraguays Skepsis und fehlendes Vertrauen dem Seminar gegenüber.
Zudem verursachte die unruhige politische Situation in Uruguay mit seinen links gerichteten Tupamaros Sorge in den Gemeinden. Deshalb hörten sie zunehmend auf, Studenten für ein Studium im SEMT zu unterstützen. Das führte letztendlich zur Schließung des Seminars im Jahre 1974, welches große Schmerzen in den Gemeinden von Uruguay und Argentinien verursachte.
Nachdem SEMT seine Türen in Montevideo geschlossen hatte, zeigte sich bald das Interesse, ein Seminar in Paraguay zu eröffnen. Leiter der Gemeinden der >“Vereinigung der Mennonitengemeinden Paraguays” ergriffen hier die Initiative. In dieser Zeit wurde ein Teil der Bibliothek und der Möbel des SEMT nach Paraguay überführt.
Im Juli 1977 wurde dann das Centro Evangélico Mennonita de Teología Asunción eröffnet. Führend in diesem Unternehmen war Jakob (Gerhard) Görzen, der erste Direktor des CEMTA. Ab 1980 läuft der Lehrbetrieb auf dem seminareigenen Gelände in San Lorenzo, einer Vorstadt östlich von Asunción.
Seit seiner Eröffnung in Paraguay wurde CEMTA von der “Vereinigung der Mennonitengemeinden Paraguays” geführt. Bald nach der Eröffnung nahmen die deutschen Gemeinden von Brasilien und Uruguay die Einladung an, Teil der Trägerschaft des CEMTA zu werden. So wird CEMTA heute (2006) von 27 deutschsprachigen Mennonitengemeinden (aus Paraguay, Uruguay und Brasilien) unterstützt.
Ab Mitte der 80er Jahre bot CEMTA vier Studienprogramme an: Bachillerato in Theologie und Kirchenmusik, beide mit einer Studiendauer von vier Jahren, und Diplom in Theologie und Kirchenmusik, beide mit einer Studiendauer von drei Jahren.
Seit 1994 bildet die “Vereinigung der Mennonitengemeinden Paraguays” Teil der Trägerschaft der >Universidad Evangélica del Paraguay. Diese Universität wurde Kraft des Gesetzes 404/94 vom paraguayischen Kongress gegründet. Die Theologieabteilung des CEMTA bildet zusammen mit dem >Instituto Bíblico Asunción und dem Seminario Teológico Bautista (STB) die Theologische Fakultät der UEP. Die erste Graduation in dieser Fakultät fand 2003 mit fünf Studenten statt, vier davon Absolventen des CEMTA.
Das Musikprogramm des CEMTA ist ab 1995 als Musikfakultät der UEP anerkannt. Die erste Graduation fand 2004 statt.
Im CEMTA werden folgende Studienprogramme geboten (Stand 2006): •    Licenciatura en Teología: Ausbildung von Predigern, Missionaren, Lehrern und anderen Arbeitern in Gemeinde und Gesellschaft; ein ausgewogenes Studienpensum aus den Bereichen Bibelkunde, Geschichte, Theologie und Praxis (Studiendauer: 4 - 5 Jahre). •    Licenciatura en Música: Ausbildung von Personen, die in Gemeinden und Schulen als Chor- und Gesangleiter oder als Musiklehrer dienen möchten. Das Musikstudium wird mit Fächern aus dem Theologiebereich ergänzt (Studiendauer: 4 - 5 Jahre). • Diploma en Educación Cristiana (Christliche Erziehung): Ein Kurs für solche Studenten, die sich für einen nebenberuflichen Dienst in der Gemeinde vorbereiten möchten. (Studiendauer: 2 Jahre). (Der “Diploma en Educación Cristiana” ist kein von der Universität anerkannter Titel).
Durch die Studienprogramme in den zwei Bereichen Theologie und Musik erfüllt CEMTA seinen Auftrag, Männer und Frauen für die verschiedenen Dienste des Reiches Gottes in der >Gemeinde und in der Gesellschaft auszubilden. Dies geschieht auf der Grundlage der ganzen Heiligen Schrift und im Sinne des ursprünglichen täuferisch-mennonitischen Gemeindeverständnisses. Diese Ausbildung legt besonderen Wert auf die akademische Leistung (Wissen), auf den praktischen Einsatz (Tun) und auf das Leben in Gemeinschaft (Sein). “Wissen, Tun und Sein” sind damit drei wesentliche Bestandteile der Ausbildung im CEMTA.
Seit seinem Anfang in Asunción im Jahre 1977 haben im CEMTA über 500 Personen studiert. Etwa 230 davon haben einen Abschluss in einem der Studienprogramme gemacht. Diese Personen dienen heute in verschiedenen Bereichen in den Gemeinden und in der Gesellschaft, 50 von ihnen als Gemeindeleiter oder Missionare.
Seit seiner Gründung in Paraguay hat CEMTA unter der Leitung folgender Direktoren gearbeitet: Gerhard Görzen 1977 - 1981; Jakob Duerksen 1982 - 1991; Johannes Bergmann 1992 - 1997; Werner Franz (1998 - 2006).
Das Studienjahr 2006 begann CEMTA mit 110 Studenten, 75 in der Theologie- und 35 in der Musikabteilung. Diese Studenten kamen aus verschiedenen Ländern (Paraguay, Argentinien, Brasilien, Uruguay, Mexiko, Deutschland und den Philippinen) und aus unterschiedlichen denominationellen Hintergründen (Mennoniten verschiedener Orientierung, Baptisten, Methodisten, Pfingstler u.a.). In den Internaten des CEMTA wohnen 73 Personen.
Der Mitarbeiterstab des CEMTA besteht aus 5 vollzeitig und 7 teilzeitig angestellten Dozenten; in der Musikabteilung unterrichten zudem noch etwa 15 Instrumentallehrer; weitere 13 Personen arbeiten in der Verwaltung, der Bibliothek und im Internats- und Küchenbetrieb mit.
Zu den Einrichtungen im CEMTA zählen neben geräumigen Klassenzimmern die Bibliothek mit fast 14.000 Titeln (einschließlich Musik), einer breiten Auswahl von Zeitschriften und mit Internetanschluss, ein geräumiger Hof mit Einrichtungen zur Freizeitbeschäftigung, ein Versammlungsraum (Auditorium) mit etwa 500 Sitzplätzen sowie Internate und Appartements mit Küche und Esssaal.
Werner Franz

   
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