Lexikon der Mennoniten in Paraguay - Dyck, Peter und Elfrieda
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Dyck, Peter und Elfrieda

Peter J. Dyck wurde 1914 in Lysanderhöh, am Trakt, in Russland geboren. Mit 12 Jahren kam er 1927 mit seinen Eltern nach Kanada. Nach der Sekundarschulausbildung besuchte er mehrere akademische Anstalten, so die Universität in Saskatchewan, Goshen College und Bethel College sowie das Theologische Seminar in Chicago.
1941 rief das >MCC ihn in seine Dienste, um während des Zweiten Weltkrieges Not leidenden Menschen in England zu helfen. Hier lernte er seine Frau Elfrieda Klassen, eine Krankenschwester, kennen, die ebenfalls für das MCC arbeitete. Nachdem beide 1944 geheiratet hatten, wurden sie vom MCC in die Niederlande und später nach Deutschland geschickt, um in der Flüchtlingsbetreuung zu helfen. Damit begann für Peter und Elfrieda ihr eigentliches Lebenswerk, wodurch sie im Namen Christi Tausenden mennonitischen >Flüchtlingen in den besetzten Zonen geholfen haben. Diese Arbeit erforderte Mut, Phantasie, Durchsetzungsvermögen und absolutes Gottvertrauen. In Westberlin richteten sie als Vertreter des MCC ein Sammellager ein, das für Hunderte von Flüchtlingen aus dem Osten eine Rettungsinsel wurde.
Voller Dramatik verlief die Rettungsaktion dieser Flüchtlingsgruppe, als sie in Viehwaggons durch die sowjetisch besetzte Zone nach Bremerhaven zum Schiff >Volendam gebracht wurde, das sie und die Flüchtlingsgruppen aus Gronau und München nach Südamerika bringen sollte. Hier bewahrheitete sich C. F. >Klassens Wahlspruch “Gott kann” buchstäblich, indem er die vielen Gebete, die zu Gott aufgestiegen waren, erhörte. Auf der Volendam begleiteten Peter und Elfrieda Dyck die über zweitausend mennonitischen Flüchtlinge bis nach Buenos Aires und betreuten sie dort auch im Zeltlager mehrere Monate lang, da die Passagiere wegen der >Revolution (1947) in Paraguay nicht sofort weiterfahren durften. Die Flüchtlingstransporte auf den Schiffen >Heintzelmann und >Charlton Monarch musste Elfrieda allein begleiten. Besonders der Transport auf der Charlton Monarch verlief dramatisch, da das Schiff zeitweilig wegen ausfallender Motoren ziellos auf dem Wasser dümpelte und zuletzt in den Hafen Pernambuco geschleppt werden musste, von wo aus die Flüchtlinge dann per Flugzeug bis nach Asunción gebracht wurden. Peter Dyck war währenddessen damit beschäftigt, immer wieder neue mennonitische Flüchtlinge ausfindig zu machen, sie in Sammellager zu bringen und für die Ausreise nach Kanada oder Südamerika vorzubereiten.
Dienst im Namen Jesu Christi war für Peter und Elfrieda Dyck kein Lippenbekenntnis, sondern voller Einsatz ihrer körperlichen und geistigen Kräfte. Es war daher nur gerechtfertigt, dass Peter Dyck 1950 für seine Verdienste im Auftrag des MCC von der niederländischen Königin Juliane der Ritterorden verliehen wurde.
Im Jahr 1947 war Peter Dyck zum Prediger ordiniert worden. Von 1950 bis 1957 diente er als Pastor der Eden Mennonite Church, in Moundridge, Kansas, und von 1983 bis 1985 der Kingview Mennonite Church in Scottdale, Pennsylvania. 1974 erhielt er den Ehrendoktor von der Waterloo Universität in Ontario. Er hat mehrere spannende Kinderbücher geschrieben sowie zahlreiche Artikel in verschiedenen mennonitischen Zeitschriften. Wie ein Vermächtnis wirkt sein letztes, sehr lesenswertes Buch “Getting Home Before Dark. Stories of Wisdom for All Ages”, das er im Jahr 2000 veröffentlicht hat.
Doch die Herzen von Peter und Elfrieda und auch ihre besonderen Fähigkeiten lagen beim Dienst im Auftrag des MCC. Als MCC-Direktor für Europa und Nordafrika wohnte er mit seiner Frau und ihren beiden Töchtern Rebecca und Ruth von 1957 bis 1967 in Frankfurt am Main. Neben seiner normalen Tätigkeit baute er hier die Beziehung zu den Mennoniten im Osten auf, unterrichtete an der Bibelschule in Liestal in der Schweiz, während seine Frau Elfrieda unzählige Pakete für den Versand nach Russland packte. Mehrmals reiste er in die Sowjetunion. Anlässlich der 200-Jahrfeier der Mennoniten in Russland konnte seine Frau Elfrieda ihn auf der Reise in die Sowjetunion begleiten.
Nach ihrer Rückkehr in die USA arbeitete Peter Dyck im Hauptbüro des MCC in Akron, während seine Frau Elfrieda in der Nähe von Akron eine Stelle als Krankenschwester übernahm. Auch während ihres Ruhestandes blieben sie auf die eine oder andere Weise mit dem MCC verbunden. Beim Schreiben und beim Erzählen in ungezählten Gemeinden legten sie Zeugnis ab von ihrem Dienst im Namen Christi. Peter und Elfrieda waren ein Team, das sich in the Name of Christ an vielen Brennpunkten der Welt einsetzen ließ und vielen Menschen ein Retter in der Not gewesen ist. Ein gutes Zeugnis ihrer gemeinsamen Arbeit ist das Buch “Auferstanden aus Ruinen”, das sie gemeinsam geschrieben haben und das spannend zu lesen ist.
Nachdem Elfrieda Dyck am 20. August 2004 im Alter von 87 Jahren verstarb, wurde es einsamer um ihren Mann Peter. Doch der Kontakt mit seinen Kindern und mit vielen Freunden, Brüdern und Schwestern in aller Welt hält ihn aufrecht. Untätig kann er nicht sein, daher reist er immer noch (2008) umher, erzählt von Gottes Wundertaten in der Welt und stellt Spielzeug in seiner Werkstatt im Altenheim her, das beim MCC-Ausruf große Geldsummen für die MCC-Arbeit einbringt.
Jakob Warkentin
Peter & Elfrieda Dyck: Up from the Rubble. The epic rescue of thousands of war-ravaged Mennonite refugees. (Deutsch: Auferstanden aus Ruinen) Scottdale, Pennsylvania: Herald Press, 1991; Getting Home before Dark. Scottdale, Pennsylvania: Herald Press, 2000.


   
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