Lexikon der Mennoniten in Paraguay - Fischer, Betty
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Fischer, Betty

Betty Fischer (1918 - 2005) wurde am 5. Juni 1918 in Gnadenfeld, Molotschna in Russland geboren. Getauft wurde sie am 20. Juni 1948 in >Volendam, Paraguay.
Betty Fischer besuchte die Schule in Gnadenfeld. Später setzte sie ihre Bildung in Halbstadt fort. Im dortigen Technikum und Krankenhaus bekam sie eine praxisnahe Ausbildung. Ihr Vater fiel Stalins NKWD (sowjetischer Geheimdienst) zum Opfer. Nach dem Studium heiratete sie Viktor Helmel, der ebenfalls mit ungezählten anderen deutschen Männern nach Sibirien geschickt wurde und als verschollen galt.
Mit dem Rückzug der deutschen Armee 1943 verließ sie zusammen mit anderen Verwandten ihr Heimatdorf in Russland und kam nach einer beschwerlichen Reise nach Deutschland. Im Januar 1947 kam sie auf dem Dampfer >Volendam S.S. über den Atlantik nach Buenos Aires. Nach Aufenthalten in >Zeltlagern in Buenos Aires und >San Lorenzo kam sie schließlich in die neu gegründete >Kolonie >Volendam. Überall, auf der Flucht und in den Lagern, war sie immer in der medizinischen Betreuung von Kranken tätig, bekannt als Schwester Betty. Die Verwaltung der neuen Kolonie >Volendam erkannte die Notwendigkeit der Krankenbetreuung. Auf Grund ihrer Erfahrung wurde ihr die Leitung der Krankenversorgung Volendams angeboten.
Da im Urwald noch kein Krankenhaus vorhanden war, fand die medizinische Behandlung im Hauptgebäude der damaligen Estancia Pileta, der späteren Viehstation der Kolonie, statt. Mit sehr wenigen Medikamenten und einer Hilfsschwester verrichtete sie hier ihre Arbeit. In Deutschland hatte Schwester Betty noch ein Studium als Hebamme abgeschlossen, das ihr jetzt sehr zustatten kam, denn auch viele Babys wurden in ihrem “Schlafzimmer” geboren.
Behinderte Kranke, die zu Hause bleiben konnten, wurden anfangs von Schwester Betty in den Dörfern zu Fuß aufgesucht. Später kaufte sie sich von ihrem inzwischen verdienten Geld ein Pferd, das ihr viele Jahre treue Dienste geleistet hat. Viele Krankheiten hat sie behandelt. Schwester Betty war auch Expertin im Zähne ziehen und vielem andern mehr. Alle Behandlungen wurden ohne Betäubung durchgeführt, da es keine Betäubungsmittel gab.
In einem Protokoll von 1948 heißt es: Die Arbeit des medizinischen Personals ist zurzeit beachtenswert und wird bei Anhalten in dieser Richtlinie sich entschieden positiv auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung auswirken.
Als das neue Krankenhaus im Zentrum fertig war, kam ein junger Arzt, Dr. Bruno Stallfort, aus Deutschland nach Volendam. Schwester Betty siedelte über ins neue Ärztequartier und leitete weiterhin die Geburtenabteilung und fungierte als Oberschwester. Dr. Stallfort blieb nicht lange in Volendam und Schwester Betty übernahm wieder für kurze Zeit das Krankenhaus.
Im Jahr 1950 heiratete sie Herbert Fischer. Ihnen wurden zwei Töchter geboren. Aus erster Ehe hatte sie bereits einen Sohn. Im Jahre 1953 zog Schwester Betty mit ihrer Familie ins Dorf Nr. 7, wo sie noch vier Entbindungen vornahm. Das war somit das Ende ihrer medizinischen Karriere. Sie liebte ihren Beruf und dachte gern an diese ersten Jahre der Ansiedlung zurück.
Sie starb am 8. Mai 2005.
Erna Kröker
Funk, Abram: 50 Jahre Kolonie Volendam 1947 – 1997. Asunción, Paraguay, 1997; Lebenslauf von Schwester Betty, geschrieben von ihrem Sohn Erwin Helmel.

   
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