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Flüchtlingslager in San Lorenzo

Als die russlanddeutschen Flüchtlinge von Buenos Aires mit dem Schiff nach Paraguay kamen, war hier die >Revolution 1947 ausgebrochen. Ein Teil der Flüchtlinge wurde in der Landwirtschaftsschule in San Lorenzo untergebracht, da sie nicht in den >Chaco weiterfahren konnten. Abram Löwen, ein junger Mennonit aus Fernheim, hatte seine Ausbildung beendet, konnte aber ebenfalls nicht nach Hause in den Chaco reisen. Da er die spanische Sprache beherrschte und sich in Asunción und Umgebung gut auskannte, bat C.A. >De Fehr ihn, den Flüchtlingen bei der Beschaffung von Lebensmitteln behilflich zu sein. Das war nicht nur eine schwierige, sondern auch gefährliche Aufgabe, denn er geriet dabei gelegentlich zwischen die Fronten und wurde beschossen, gefangen genommen und verhört.
Dass das Leben im Lager nicht leicht war, erfuhr Abram Löwen in seiner ersten Nacht, als er in einem großen Schlafsaal mit vielen Flüchtlingen übernachtete. Er schreibt: Die erste Nacht ist mir unvergeßlich geblieben: Der eine schnarchte, der andere knirschte mit den Zähnen, ein anderer sprach im Schlaf, noch ein anderer raste auf, setzte sich wieder hin, bis er erwachte, legte sich wieder hin und schlief. Dort weinten Kinder, einer wollte mehr Luft haben, ging zu dem Fenster, um zu öffnen, nach einer Weile stand ein andrer auf, um es zu schließen, dabei wurde dann im Flüsterton geschimpft, so dass wieder ein anderer sich gedrungen fühlte, um Ruhe zu bitten. Für Abram Löwen war diese Situation neu. Die Flüchtlinge, die jahrelang unterwegs gewesen waren, kannten solche Unannehmlichkeiten und waren froh, wenn sie nicht um ihr Leben zittern mussten.
Es gab aber auch schöne Erlebnisse im Lager. Da waren die wunderbar schmeckenden Mandarinen in den schönen Gärten und für die Kinder gab es genügend Gelegenheit zu spielen und froh zu sein. Das MCC und Abram Löwen sorgten dafür, dass es genügend zu essen gab, auch wenn manchen die Mandioka und die Galletas nicht schmeckten. Aber alle waren froh, als sie das Lager verlassen und die Reise in den Chaco antreten konnten (>Revolution 1947, >Zeltlager in Buenos Aires,).
Jakob Warkentin
Abram Löwen: Im Lager San Lorenzo bei Asunción. In: Walter Regehr: 25 Jahre Kolonie Neuland, Chaco -Paraguay (1947-1972), S. 97 ff.

   
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