Lexikon der Mennoniten in Paraguay - Hänel, Marlene
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Hänel, Marlene

Marlene Hänel (1910 - 2000) wurde in Königsberg, Ost-Preußen, am 21. Januar 1910 in der Familie Ulrich geboren. Der Schulbesuch und das anschließende Medizinstudium erfolgten ebenfalls in Königsberg. Die Facharztausbildung in Psychiatrie hat sie dann erst nach dem Krieg, als es kein deutsches Königsberg mehr gab, 1951 in Berlin abgeschlossen.
Als Fachärztin für Psychiatrie und Nervenheilkunde hat sie dann in Berlin und Bad Godesberg gearbeitet. 1959 wurde sie für die Leitung des vorgesehenen psychiatrischen >Sanatorio Eirene in >Filadelfia angeworben. Ein erster Arbeitstermin von drei Jahren wurde dann um weitere drei Jahre verlängert. Bei der Gründung und der ersten Aufbauphase hat sie eine entscheidende Rolle gespielt.
Es war ihr Vorschlag, diese Anstalt etwas außerhalb von >Filadelfia mitten in der hier noch unberührten Chaco-Natur aufzubauen.
Am 16. 8. 1959 konnten die ersten dafür gebauten Häuser eingeweiht und in Betrieb genommen werden. Bei der Gelegenheit erhielt die Anstalt den Namen “Sanatorium Hoffnungsheim”.
Frau Dr. Hänel hatte einen besonderen Blick für die Chaconatur und setzte sich ganz entschieden dafür ein, dass so viel wie möglich an Bäumen, Sträuchern und Kakteen erhalten bleiben sollte.
Es wurde nur abgeholzt, was unbedingt weg musste. Die Häuser wurden regelrecht in den Busch hinein gebaut. Ein Baum steht heute noch genau vor der Tür des so genannten rosa Hauses. Die vielen Wege von einem Haus zum andern, zur Küche und später auch zu den Sprechzimmern wurden nicht gerade angelegt, sondern bogenförmig. So konnten die Patienten auf kurzen Strecken mitten in der Natur lange Spaziergänge machen. Es ist ihr gelungen, die Anlage des jetzigen Naturparks auf dem Gelände des Sanatorium zu erhalten. Er wurde erweitert und verschönert.
Von 1962 bis 1965 lief die zweite Dienstperiode von Marlene Hänel. Im Juli legte sie ihre Arbeit im Sanatorium Hoffnungsheim nieder und schrieb noch im November desselben Jahres ihren Abschlussbericht, der damals im >Mennoblatt veröffentlicht wurde.
Ihre ersten Mitarbeiter waren Elisabeth Janzen aus Kanada, Agathe Klassen (aus Menno, später Frankfurt) und dann Schwester Käthe Esau, die dann auch die Leitung des daraufhin verkleinerten Betriebes übernahm.
Ihre Kollegen damals waren Dr. >Dollinger in Filadelfia und Dr. >Rakko und Dr. Käthler in >Neuland und >Menno, vorübergehend auch Dr. Davis, Dr. Willms und Dr. Labun.
Marlene Hänel hatte ein sehr gutes Verhältnis zu ihren Patienten. Das ist aus den Zahlen der zu den Sprechstunden erschienenen Patienten zu ersehen. Diese kamen aus allen drei >Kolonien und einige sogar aus Ost-Paraguay. Die Wegstrecken und Wegverhältnisse waren oft sehr schlecht.
In vielen Krankengeschichten ist ihre Handschrift noch heute zu lesen. Sehr klar und deutlich. So schreibt selten ein Arzt. Patienten sagen noch heute von ihr, sie sei sehr freundlich und einfühlend gewesen, aber in ihren Anordnungen auch sehr bestimmt. Das gab ihnen das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit zugleich.
Gewohnt hat sie mit ihren Töchtern Monika und Angelika zuerst in Filadelfia, dann auf dem Gelände in der Arztwohnung, die damals für sie gebaut wurde, mitten in den Chacobusch hinein. Sie empfanden das Leben erst aufregend und abenteuerlich, dann aber immer mehr als Isolation.
Wieder in Deutschland, ließ ihre angeschlagene Gesundheit eine weitere Berufstätigkeit nicht zu. Sie verlebte ihre letzten Rentnerjahre in Bad Godesberg und dann in Düsseldorf, wo sie am 28. Mai 2000 gestorben ist.
Erika Dyck

   
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