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Hochzeitsbräuche

Hochzeiten gehören bei den Mennoniten in Paraguay allgemein zu den größten Veranstaltungen, die privat organisiert werden. Die Verlobung fand in den ersten Jahren erst drei oder vier Wochen vor der Hochzeit statt. Wichtig war es, diesen Zeitpunkt möglichst geheim zu halten; umso größer der Überraschungseffekt. Ab diesem Tag sprach man von der Braut und dem Bräutigam.
Die Vorbereitungen für die Hochzeit begannen damit, dass die Jugendlichen, oft waren es nur die Mädchen, Blumen aus farbigem Papier bastelten. Sie trafen sich dazu im Hause der Braut oder bei einer Freundin, und es waren sehr lustige Abende. Mit einem grünen Zweig wurden diese Blumen dann am Hochzeitstag allen Jugendlichen an die Brust gesteckt.
Der Abend vor dem Hochzeitstag, also der Freitagabend, war in erster Linie ein fröhlicher Abend für die Jugend. Aber viele ältere Leute hatten auch Gefallen daran – alle geladenen Hochzeitsgäste konnten kommen. Ganz wichtig war das Beschenken der Brautleute. Draußen auf dem Hof waren Bänke für die Gäste aufgestellt und das Brautpaar saß hinter einem Tisch. Jedermann konnte zuschauen und sich daran freuen, wenn die Geschenke, meist praktische Sachen für den Haushalt, liebevoll ausgesucht und manchmal mit lustigen Verschen verbunden, überreicht wurden.
Danach führten Jugendliche ein Laienspiel oder ein lustiges Theaterstück auf, z. B. Dee Fria von Arnold Dück. Ein Imbiss schloss den formelleren Teil ab, und die Jugendlichen begannen mit dem >Bonsch, so nannte man Spiele, meist im großen Kreis und von Gitarrenmusik begleitet. Jungen und Mädchen durften sich dabei nicht zu nahe kommen, denn alle, Kinder und Verheiratete, durften zusehen und eventuell einen Kommentar dazu abgeben. Also hatte man vorher für eine helle Lampe zu sorgen, denn elektrisches Licht gab es erst nach vielen Jahren.
Für die Brautmutter waren es insgesamt viele Einzelheiten, die für die Bewirtung der Gäste notwendig zu bedenken und zu verschaffen waren. Denn für das Festessen nach der Hochzeit gab es in der Regel Kaffee mit Zwieback und Pluschki, die im Dorfe der Braut gebacken wurden. Einige Frauen kneteten große Mengen Hefeteig, der dann vom Bräutigam in die verschiedenen Heime ausgetragen und dort gebacken wurde.
Die Brauteltern luden alle Bewohner des Dorfes, aus dem die Braut stammte, und außerdem Freunde und Verwandte in einem Rundschreiben für jeden Ort, das die Namen der Geladenen enthielt, zu der Feier ein, so dass es leicht einige Hundert sein konnten.
Am Samstag, dem Tag der Hochzeit, holte man den “Mauergrapen” (großer gusseiserner Kessel), der allen Dorfbewohnern zur Verfügung stand, um Borschtsch zu kochen; denn mittags wurden schon Gäste erwartet, besonders aus entfernteren Dörfern. Für den Trau-Gottesdienst hatte die Familie ein Zelt aufgebaut oder den Stall festlich hergerichtet. Manchmal fanden Hochzeiten auch in der Dorfschule statt, in den späteren Jahren dann in einer Kirche. Girlanden aus den Blättern und Zweigen des Jacarandá-Baumes schmückten Türen und Wände und sorgten für eine wirklich grüne Hochzeit.
Das Brautkleid musste lang und weiß sein, sogar im Sommer mit langen Ärmeln, und ein langer Schleier war das Zeichen der Jungfräulichkeit. Der Bräutigam kam in Anzug und Krawatte, dazu ein Sträußchen mit Schleife an der Brust.
Eine zivile Trauung fand nicht statt, solange in der >Kolonie niemand berechtigt war, diese vorzunehmen. Die kirchliche Trauhandlung wurde von einem Prediger nach einer kurzen Ansprache, die die eheliche Treue vor Gott betonte, vollzogen. Eine zweite Predigt und mehrere Chorlieder waren obligatorisch. In manchen Gemeinden knieten alle Anwesenden während des Gebets für die Brautleute. Modernere Hochzeiten sind kürzer, eine Predigt genügt, und die Kleidung passt sich den Modetrends an.
Nach der Trauung verlässt das jung vermählte Paar als erstes den Raum und draußen folgt die Begrüßung. Auch das Hochzeitsessen ist üppiger geworden, und mit einem fröhlichen Abendprogramm endet eine moderne Hochzeit.
In der Kolonie Menno haben diese Bräuche erst allmählich ältere Formen abgelöst, und zwischen den Kolonien Menno, Fernheim, Friesland und Volendam gibt es in dieser Hinsicht heute keine wesentlichen Unterschiede mehr.
Emmy August

   
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