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Katechismus

Katechismus nennt man die religiöse Unterweisung anhand der Methode von Frage und Antwort. Obwohl eine mehr oder weniger strukturierte Periode der Unterweisung im Glauben vor der Taufe schon in der Urgemeinde praktiziert wurde, kam der Begriff “Katechismus” erst während der Reformation auf. Johannes Brenz erwähnt ihn 1528 zum ersten Mal. Im Jahr darauf brachte Luther die kurze und die längere Form seines Katechismus heraus. In der Täuferbewegung erstellte Balthasar Hubmaier einen Katechismus, der jedoch nicht nachweislich benutzt wurde. Erst im 17. Jahrhundert wurden Katechismen, besonders bei holländischen Mennoniten allgemein verwendet. Die Frage-Antwort-Methode basiert auf Memorieren, war pädagogisch gesehen, zwar ihrer Zeit angepasst, geriet jedoch im Laufe des 20. Jahrhunderts in die Kritik, was mit ein Grund für die langsame Abschaffung dieser Methode war.
Ein schwerwiegenderer Grund war jedoch die prinzipielle Infragestellung der Katechese als Hinführung zur Taufe innerhalb der Reformbewegungen des 19. Jahrhunderts. Die in Russland entstandene Brüdergemeinde wie auch einige evangelikal geprägte Gruppen in Nordamerika lehnten die Katechese ab, um damit die Bedeutung der persönlichen Bekehrung als einzige Bedingung für die Taufe zu unterstreichen.
Im Rahmen der Kirchengemeinde in Russland und Paraguay sowie auch der Allgemeinen Konferenz der Mennoniten in Nordamerika wurde der Katechismus weiter als Hauptinstrument des Taufunterrichts benutzt, bis diese Praxis im Laufe der 1960er Jahre langsam versiegte. In >Fernheim wurden sowohl der >Katechismus der Allgemeinen Konferenz aus Nordamerika wie auch der pfälzisch-hessische “Katechismus der christlichen Lehre” verwendet.
Manche älteren Gemeindeglieder können sich noch eine Reihe der Fragen, Antworten und der dazugehörenden Bibelzitate in Erinnerung rufen.
Gegenwärtig findet der Katechismus immer noch seinen Platz im Leben der Gemeinden der >Altkolonier Mennoniten. Er wird als Teil des Unterrichts in der Schule oder als Vorbereitung der Taufkandidaten verwendet.
Die modernen Katechismen der evangelischen oder katholischen Kirchen sind in ihrer Form zwar stark abgewichen von dem mechanischen Frage-Antwort-System, beweisen jedoch mit ihrem didaktisch-theologischen Aufbau, dass eine allgemeine und gut strukturierte Einführung in das christliche Glaubensgut nach wie vor eine Notwendigkeit für jede Generation von Christen bleibt.
Gundolf Niebuhr
Stichwort “Katechismus” in: Cornelius J. Dyck und Dennis D. Martin: Mennonite Encyclopedia, V. Scottdale, Pennsylvania: Herald Press, 1990; Katechismus oder kurze und einfache Unterweisung in der Heiligen Schrift…, Berne Indiana, 1914; Katechismus der Christlichen Lehre zum Gebrauch in Evangelischen Mennonitengemeinden, Karlsruhe, o. D.

   
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