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Primavera-Siedlung

Im Jahr 1940 kam eine Gruppe Hutterer nach >Paraguay. Diese Gemeinschaft junger suchender Personen hatte ihren Ursprung nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland gehabt. Zu den schon in Paraguay lebenden Mennoniten hatten sie wenig Verbindung. Die einzige Gemeinsamkeit war wohl, dass sie auf Grund ihrer Glaubensgrundsätze das >Gesetz Nr. 514 für sich in Anspruch nahmen. Ihre Begründer waren Eberhard und Emmy Arnold. 1930 hatte diese Gruppe Anschluss bei den Hutterern in Nordamerika gesucht. Von den in Nordamerika lebenden Hutterern übernahmen sie die strengen Regeln bezüglich Kleidung und Lebensweise. Nachdem ihr Bruderhof in Deutschland 1937 von der Hitlerregierung aufgelöst worden war, suchten die Hutterer Zuflucht in England. Doch schon nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 suchten sie ein anderes Zufluchtsland und kamen so 1940 nach Paraguay. Anfangs hatten sie vor, im >Chaco ihre Bruderhöfe aufzubauen. Nachdem sie einige Wochen dort verbracht hatten, entschieden sie sich jedoch für Ostparaguay. Gründe für diese Entscheidung waren u. a. bessere klimatische Bedingungen und höhere Niederschlagsmengen, ein besserer Absatzmarkt und mehr Möglichkeiten missionarisch tätig zu werden.
In der Nähe der seit 1937 bestehenden >Kolonie Friesland kauften sie die Estancia “Primavera” mit 7.850 ha Land. Nachdem die schwere Anfangszeit überwunden war, wobei die Friesländer ihnen mit ihren schon erworbenen Kenntnissen zur Seite standen, begann die Hutterersiedlung sich zu entwickeln. 1946 zählte die Gemeinschaft schon drei Bruderhöfe. Auf dem ersten, Isla Margarita, befand sich die Tischlerei, die Schmiede, das Sägewerk, die Ziegelbrennerei und die Buchbinderei. Auf dem zweiten, Loma Hoby, baute man ein Krankenhaus und eine Viehstation auf. Auf dem dritten Hof, Ibaté, wurde eine Schusterwerkstatt, eine Bäckerei, Land- und Milchwirtschaft, eine Geflügelfarm und eine Bibliothek mit 15.000 Bänden eingerichtet.
Auf Grund der unterschiedlichen Lebensweise von Friesländern und Hutterern blieb das Verhältnis zwischen ihnen immer etwas distanziert. Obwohl man beispielsweise beim Bau des Krankenhauses zusammenarbeitete (die Friesländer lieferten Material), kam es darüber hinaus zu keiner konkreten Zusammenarbeit.
1961 lösten die Hutterer ihre Bruderhöfe in Primavera auf und zogen größtenteils nach Nordamerika. Gründe dafür waren interne Rivalitäten und eine schwere wirtschaftliche Krise in den fünfziger Jahren. Die Kolonie Friesland kaufte in dieser Zeit den ganzen Landkomplex der Hutterer und erweiterte so ihre Gesamtfläche von 7.800 ha auf 18.200 ha (>Primavera-Landkauf).
Beate Penner
Peter P. Klassen: Die Mennoniten in Paraguay. Reich Gottes und Reich dieser Welt. 2. erweiterte Auflage. Bolanden-Weierhof: Mennonitischer Geschichtsverein e.V., 2001.

   
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